Juxtaposition

(juxtaposition, engl.: wertfreie Gegenüberstellung)

Die „juxtaposition-Theorie“ des Human Design System besagt, dass erst die Spannung zwischen zweier Pole Leben und Wachstum ermöglicht. Die zwei Pole in der HDS-Kosmologie sind aber Newton und Einstein, Wissen und Glaube, Erleben und Bewusstsein. Subjet und Objekt. Geist und Körper. Also bedingen die zwei Pole einander. Yin benötigt Yang, Shiva ist sinnlos ohne Shakti. Beide Pole sind zwillinghaft spiegelbildlich miteinander verbunden. Durch die Erkenntnis des Einen erkenne ich aber auch das andere. Je mehr ich weiß, desto mehr ist mein Glaube gefordert.

„Es ist, was es ist“ (tat vam asi), heißt es im Hinduismus. Diese Erkenntnis bezieht im Hinduismus alles ein, Gott und die Welt, das ich und das du. Es ist Ausdruck des existentialistisch-humorvollen Umganges mit der Erkenntnis, dass der menschliche Geist nur unterscheidend beobachten kann, aber nicht durch die Beobachtungen ins Geschehen unmittelbar eingreifen kann. Unterschiedlos und wertfrei wird sich der Mensch der Verstrickungen bewusst und erkennt, dass die moralisch-ethisch-emotionalen Bewertungen nur mittelbar und verzögert mit dem Leben etwas zu tun haben. Der Wert wird dem Leben und Wirken im Nachhinein zugemessen. Die konsequente Lösung: den überforderten Verstand entlasten von den untauglichen Versuchen, diese Verbundenheit verstehen und kontrollieren zu wollen und sich hinzugeben dem Leben, so wie der Betrachter eines Filmes.

Die Neurowissenschaft hat zweifelsfrei erkannt, dass jede menschliche Handlung mit zeitlicher Verzögerung von mind. 1/60 Sekunde bewusst wird. Unser Ichbewusstsein (Neocortex) hat einfach eine lange Leitung und jede Handlung hat darunter – z.B. im limbischen System (Gefühl und Emotion) oder in der Amygdala (Instinkt und Intuition) – ihren unwillkürlichen unkontrollierbaren Ursprung. Wir sind also Beobachter und Schauspieler mit begrenzter Perspektive, aber nicht Regisseur oder Librettist unseres Lebens.

Also lautet der Vorschlag des Human Design, die menschliche natürliche Dualität von Körper und Geist als zwei gleichberechtigte Pole wertfrei anzuerkennen und keinen Teil zu ignorieren oder an den anderen künstlich anzugleichen. Der natürliche sprunghafte beobachtende Intellekt mit all seinen immateriellen Denkmustern und geistig-emotionalen Bewertungen soll die klare und eindeutige Intelligenz des Körpers mit seinen neurologischen und physiologischen Automatismen und Eigenheiten anerkennen wie den besten Freund, den man haben kann.

Dieser Freund ist Ihr eigener Körper, der jeden Morgen im Badezimmerspiegel sichtbar ist. Begrüßen Sie diesen Freund doch regelmäßig mit den liebevollen Worten: „Guten Morgen! Schön, dass es Dich gibt“. Denn dieser Körper ist die Folge Ihres Lebens und er hat Sie durch dick und dünn begleitet – was wären Sie ohne diesen Körper?